Kulturfahrt nach Bad Mergentheim und Würzburg

KGV Kulturfahrt „Geschichte und Geschichten, Kunst und Glauben“

Bad Mergentheim, Würzburg, Creglingen

 

Die Elfenbeinskulpturen des barocken Bildhauers Leonhard Kern (1588 – 1662), der in Schwäbisch Hall eine produktiver Werkstatt betrieb, von der aus er die fürstlichen Kunstkammern Europas belieferte, beeindrucken in ihrer kunsthandwerklichen Qualität. Neben Exponaten wie die „ Drei Grazien“, „ Herakles und Hipplyte“ hinterlässt als  Höhepunkt der Ausstellung  die „ Pariser Laokoon Gruppe“ aus der Sammlung von Carl von Rothschild einen tiefen Eindruck.

Die Ausstellung um Leonhard Kern, Fernando Botero, Giovanni Bolgna entführt mit ihren künstlerisch – handwerklich vollendeten Elfenbeinskulpturen, Bronzen und Gemälden des 17. Jahrhunderts in die Welt des Barock, in der das Sammeln von Kunst Symbol politischer Repräsentation und Macht war.

Das über 250 Jahre als Residenz der Hochmeister des Deutschen Ordens dienende Schloss in Bad Mergentheim mit seinem Museum gibt Einblicke in die ganze Breite der Ordensgeschichte mit Kriegen, Krisen, Kunst und Handwerk, mit Wohltätigkeit und in religiöse, christlich geprägte  Lebensgestaltung. Der Gang durch das Museum führt auch durch die repräsentativ ausgestaltete Fürstenwohnung, den eleganten klassizistischen Kapitelsaal, an dessen Wänden in Stuck der Lobpreis auf den Kampf des Ordens gegen die Ungläubigen thematisiert ist. Die heutigen Aufgabenbereiche der rund 100 Priester, 200 Schwestern und 900 Familiare sind Bildung und soziale Dienste.

 

 

 

Der erste Tag wird mit der Einführung in ein wesentliches fränkisches Kulturgut – anderer Art – abgeschlossen:                                 

Der Wein im Fürstenbau des 1576 gegründeten Juliusspitals. Nach einer detailreichen Einführung in den fränkischen Weinbau erleben wir eine Führung durch den 250 m langen Weinkeller, in dem sich kunstvoll geschnitzte, prächtig gestaltete Holzfässer lückenlos aneinanderreihen. Wir spüren, wie hier der Wein von 180 ha Rebfläche unter idealen Bedingungen reifen kann. Die anschließende Weinverkostung lässt keinen Zweifel: hier werden große Weine geschaffen und wir sind im Moment dabei, Kultur und Genuss zu kombinieren!

 

Die Würzburger Residenz, zusammen mit dem Residenzplatz und den Nebengebäuden seit 1981 „ Weltkulturerbe“, eine der bedeutendsten spätbarocken Residenzen, gilt, wie die UNESCO formuliert, als „das einheitlichste und außergewöhnlichste aller Barockschlösser“, als „ Synthese des europäischen Barock“. Der Bau unter Federführung des Würzburger Hofarchitekten Balthasar Neumann fasst die Architekturströmungen jener Zeit: die französische Schlossarchitektur, das Wiener Barock, den oberitalienischen Palastbau in perfekter Universalität zusammen.

Besonders eindrucksvoll ist das größte zusammenhängende Deckenfresko der Welt auf einer Fläche von 580m2, das 1752/1753 von Giovanni Battista Tiepolo, dem bedeutendsten Freskenmaler seiner Epoche geschaffen wurde und der Verherrlichung des Hausherrn, Fürstbischof Karl Philipp von Greiffenclau zu Vollrads, diente. Er wird von vier Frauengestalten, welche die damals bekannten vier Kontinente repräsentieren, als Wahrer der Künste gefeiert.

Kurz vor Ende des Krieges, am 16. März 1945, wurde innerhalb von 20 Minuten die historische Altstadt zu 90% zerstört und von der Residenz blieb als glückliche Fügung das Dach über diesem  Deckengemälde unzerstört!

Die Raumfolge – Vestibül, Weißer Saal, Kaisersaal repräsentieren das „Würzburger Rokoko“. Dieses findet im 1979 – 1987 rekonstruierten Spiegelkabinett, das von der UNESCO als „das vollkommenste Raumkunstwerk des Rokoko“ geadelt wird, seine Krönung.

In das Hochmittelalter, 500 Jahre früher, nahm uns nach einem kurzen Spaziergang zum benachbarten Lusamgärtchen, dem Grabmal des Minnesängers Walther von der Vogelweide, sein heutiger Nachfolger mit. Er trug uns, historisch gewandet und sehr authentisch, einige von Walthers bekanntesten Minneliedern vor.

Im„Museum für Franken“ innerhalb der Festung Marienberg stand Tilmann Riemenschneider im Mittelpunkt unseres Interesses. 80 Skulpturen, Reliefs und andere Exponate ergeben die weltweit größte Riemenschneider – Sammlung: Bauplastik aus Stein, hölzerne Altarfiguren, kleinplastische Kunstwerke zeigen Arbeiten aus allen Schaffensphasen

und machen seine künstlerische Entwicklung nachvollziehbar.

Der künstlerische Aufstieg Riemenschneiders, Bildschnitzer und Bildhauer, am Übergang von der Spätgotik zur Renaissance um 1500  konnte anschaulich nachvollzogen werden, ebenso sein gesellschaftlicher Aufstieg, welcher ihn zum Bürgermeister von Würzburg machte.

Der Bauernkrieg in Franken im Frühjahr 1525 brachte die Wende in Riemenschneiders Leben. Er verweigerte dem Fürstbischof den Waffengehorsam und stellte sich auf die Seite der Aufständischen, was die gesellschaftliche Ächtung und eine neunwöchige Gefangenschaft mit Folter auf der Festung Marienberg zur Folge hatte. Gegen eine Strafzahlung in Höhe der Hälfte seines Vermögens konnte er sich freikaufen. Das fürstbischöfliche Umfeld sorgte dafür, dass er  neben seinen Ämtern auch seine Arbeit verlor; nach seiner Freilassung erhielt er nie mehr einen nennenswerten Auftrag.

Im Anschluss an eine Schifffahrt vom historischen Kranen in Würzburg nach Veitshöchheim konnte im dortigen  12 Hektar großen Rokokogarten der Sommerresidenz der Fürstbischöfe mit 200  allegorischen und symbolischen Sandsteinskulpturen und Putten , mit Heckensälen, Lauben, Pavillons, Rondells und Wasserspielen  ein weiteres Element höfischen Lebens nachvollzogen werden. Immer wieder tun sich neue, überraschende  Ausblicke auf und tauchen uns in ein mythologisches  Bildprogramm der feudalen Welt des Absolutismus ein.

Der Mittelpunkt und gleichsam der Höhepunkt ist der Große See mit dem Musenberg Parnass.

Nicht nur seine kunstvolle Gestaltung, sondern auch die Tatsache, dass er zu den wenigen Gärten in Europa gehört, die kaum verändert wurden, machen den Rokokogarten zu einer Rarität.

Im völligen Kontrast zu diesem Prunk folgte in Creglingen die tiefe, geradezu berührende  Wirkung des Hauptwerkes von Tilmann Riemenschneider: der Marienaltar in seiner filigranen, ausdrucksstarken  Schlichtheit, zwischen 1505 und 1510 entstanden. Unter Riemenschneiders Händen wurden starre Holzklötze zu lebenden, bewegten Figuren.

Der Altaraufsatz hat die Form einer Monstranz. Im Mittelschrein wird die Himmelfahrt von Maria dargestellt, während Szenen aus ihrem Leben diese Himmelfahrt umrahmen.

Mit der tiefen Wirkung des Altars und dessen Details zusammen mit den fesselnden Erklärungen und Erläuterungen unserer Kirchenführerin erleben wir in dieser Kirche den Höhepunkt und Abschluss  unserer Kulturfahrt.

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