
Einen vielfältigen Strauß historischer, kultureller Themen aus der Region Nürnberg thematisierte die diesjährige Sommer – Kulturfahrt des KGV Geislingen.

Die Orangerie Ansbach, ein bedeutendes barockes Bauwerk, architektonisch die Kolonnaden des Louvre in Paris und das Grand Trianon in Versailles kopierend, ließ uns auf unserer Führung durch den barocken Hofgarten in die Zeit der Markgrafen von Brandenburg -Ansbach eintauchen. Vor seinem Denkmal beschäftigte uns die rätselhafte Person des 1833 infolge einer Stichverletzung verstorbenen Kaspar Hauser. Wiederholte DNA Analysen schließen die damals populäre Interpretation, er sei ein vertauschter badischer Erbprinz aus.

Die historischen Felsengänge, ein weit verzweigtes Labyrinth aus in Sandstein gehauenen Kellern und Gängen, bis ins 14. Jahrhundert zurück reichend, dienten über Jahrhunderte den Nürnberger Brauereien bei konstanten 8-10° C zum Gären und Lagern ihrer Biere. Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele Keller zu Luftschutzräumen ausgebaut und wir konnten während unserer Führung an verschiedenen Stationen erahnen, wie schrecklich und traumatisierend die Aufenthalte in diesen Stollen für die Menschen gewesen sein mussten.

Mit einer Führung durch die Nürnberger Burg: Kaiserresidenz, Reichsburg, hohenzollernscher Burggrafensitz, steinernes Zeugnis mittelalterlicher Macht, begann der zweite Tag. Zwischen dem 11. und 16. Jahrhundert diente sie den römisch-deutschen Kaisern während ihrer Aufenthalte in Nürnberg als Residenz. Im Mittelpunkt für uns stand ihre historische Bedeutung für das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ zwischen 962 und 1806, das „Erste Reich“.

Agnes Dürer, die Ehefrau Albrecht Dürers, führte uns persönlich durch das imposante Fachwerkhaus, das ab 1509 seine Wohn- und Arbeitsstätte war. So erfuhren wir authentisch und lebensnah allerlei Unbekanntes aus dem Leben und vom Arbeiten des Künstlers wie auch von Agnes‘ Tätigkeiten im Managen des Familienbetriebs und von der nicht immer einfachen ehelichen Beziehung.

Der Nachmittag des zweiten Tages thematisierte Nürnberg und das „Tausendjährige Reich“. Im Raum 600 im Justizpalast fanden vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946 der „Hauptkriegsverbrecherprozess“ gegen 24 Angeklagte und danach zwölf „ Nachfolgeprozesse“ statt. Die Dokumentation „Memorium Nürnberger Prozesse“ klärt über die Angeklagten und ihre Verbrechen sowie die Auswirkungen für die Entwicklung des Völkerrechts bis in die Gegenwart auf. Von 1933 bis 1938 inszenierten die Nationalsozialisten auf dem „Reichsparteitagsgelände“ ihre Propagandaschauen. Einige der Kolossalbauten wurden ganz oder teilweise fertiggestellt und demonstrieren Monumentalität als wichtiges Werkzeug politischer Theatralität: Die Menschen sollen sich als Individuen klein fühlen gegenüber der Masse und der Organisation der Partei und des Staates.
Die ersten beiden Tage vermittelten uns die Bedeutung Nürnbergs für das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“, das „ Erste Reich“ zwischen 962 und 1806, für das „„Zweite Reich“, das deutsche Kaiserreich zwischen 1871 und 1918 und das „Dritte Reich“, das „Tausendjährige Reich“, welches die Hybris der Macht in monströse Dimensionen trieb und nach 12 Jahre schreckliche Geschichte war.
Einen Kontrast bot das Programm am dritten Tag. Zu den bekanntesten Spielzeugmuseen der Welt gehört das Nürnberger. Auf einer Fläche von 1400 m2 zeigt es die Kulturgeschichte des Spielzeugs von der Antike bis in die Gegenwart. Schon im Mittelalter gab es in den Gassen der Altstadt und in fast allen Stadtteilen Spielzeugfirmen. Mit der Industrialisierung etablierte sich Nürnberg als „Weltstadt des Spielzeugs“.

Am Nachmittag begegneten wir Wolfram von Eschenbach , dem die mittelhochdeutsche Literatur mehrere epische Werke, vor allem den Versroman „Parzival“ mit dem Gralsmotiv ,und lyrische Dichtungen, Minnelieder verdankt.
Unsere Führung durch seinem Heimatort zeigte uns eine bis heute mittelalterlich anmutende Stadt mit einer intakten Stadtmauer, mit Türmen, Toren und Gebäuden aus dem Mittelalter, der Renaissance und dem Barock in geschlossen historischer Bebauung. Das kompakte Stadtbild wurde ab dem 13. Jahrhundert durch den Deutschen Orden nachhaltig geprägt.


